Seit Januar 2016 befinden sich die Räume der Akademie in einem der älteren Häuser in Soest. Etwa 1335 erbaut diente es einst den Baumeistern der in unmittelbarer Nähe gelegenen Kirche St. Maria zur Wiese, deren Grundstein im Jahr 1313 gelegt wurde. Beide, Kirche und Haus, sind aus dem typischen Anröchter Grünsandstein errichtet. Seither hat das Haus die Zeiten überdauert und strahlt schon durch sein Alter die Ruhe aus, die für die Philosophie nötig ist. Ohnehin hat es viel mit der Philosophie gemeinsam. Als Baumeisterhaus gegründet, hat es über die Jahrhunderte verschiedene Nutzungen erfahren. Im 17. Jahrhundert wurde es etwa um einen Anbau in Fachwerkbauweise erweitert, ein Keller wurde unter das Haus gesetzt – der älteste der Straße –, um dort Schweine zu halten. Das Haus wurde zu einem Bauernhof. Schließlich wurde zuletzt 1900 ein weiterer Anbau gefertigt: Aus Stein gemauert sollte eine moderne Toilette eingebaut werden, was dann aber niemals geschah. Der Raum blieb Abstellkammer. Mit den Nutzungen wechselten die Eigentümer und Bewohner. Nun müssen keine Schweine mehr ihr Dasein im dunklen Keller fristen und die Toiletten befinden sich im Haus.

Ganz ähnlich ist es auch mit der Philosophie. Ihre Gegenstände und die Art, wie Philosophie betrieben wird, verändern sich über die Zeit. Aber etwas ist über die Jahrtausende doch gleich geblieben, etwas, das uns die Philosophie gleich als Philosophie erkennen lässt. Was ist dieses Gerüst? Was macht die Philosophie zur Philosophie? Und warum sagen wir über das Haus, es sei immer noch dasselbe, obwohl lediglich drei massive Grünsandsteinwände aus der Bauzeit stammen? Vermutlich ist es eine Art von Charakter, den sowohl die Philosophie als auch das Haus ausstrahlen. Ein Charakter von Beständigkeit im Wandel. Danach sucht die Philosophie und danach suchen vermutlich auch viele Menschen: nach etwas, das bleibt.

Seminar

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Die Schule von Athen

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Der Garten

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Der Seminarraum

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