Hier finden Sie in alphabetischer Reihenfolge Informationen über unsere Gäste der vergangenen Soester Gespräche.

S

Wilhelm Schmid

Archiv Susanne SchleyerIm Jahr 2014 war Prof. Dr. Wilhelm Schmid unser Gast. Prof. Schmid ist ein Vertreter der so genannten Philosophie der Lebenskunst, die die Aufgabe der Philosophie darin sieht, die eigenen Lebensumstände bewusst wahrzunehmen und darauf aufbauend sein Selbst bewusst zu formen und dadurch zu einem sinnvollen und erfüllten Leben zu finden. In der Moderne lassen sich Menschen immer stärker beispielsweise von Medien, ihrem Navigationsgerät oder der Wirtschaft vorgeben, was sie zu denken, wohin sie zu fahren oder wie sie zu sein haben. Als Folge davon empfinden viele ihr Leben als fremdbestimmt, sinnlos und trist. Die Lebensphilosophie setzt dieser Entfremdung die Frage entgegen ob das, was man tut, denn auch tatsächlich das ist, was man tun will. Das wiederum schließt die Frage ein, sich dessen bewusst zu werden, was man denn überhaupt tun will.

Prof. Schmid hat zum Thema seines neuen Buches “Gelassenheit”, das im Sommer 2014 erschienen ist, vorgetragen. Es war der einzige Vortrag Schmids in näherer Zeit und Umgebung.

Zu Schmids bisherigen Veröffentlichungen zählen (Auswahl): Die Geburt der Philosophie im Garten der LüsteSchönes Leben?Mit sich selbst befreundet seinGlückLiebe – Warum sie so schwierig ist und wie sie dennoch gelingtUnglücklich seinDem Leben Sinn geben.

 

Michael Sukale

Am 29. Mai 2016 hat Prof. Dr. Michael Sukale im Haus Kükelhaus über das Thema Leonardo da Vinci und die Sichtbarmachung der Welt gesprochen.

Über den Vortrag

Leonardo wird allgemein als ein Universalgenie bezeichnet, so als wäre er ein Schreibtisch mit vielen separaten Schubfächern voll des Wissens über ganz verschiedene und unzusammenhängende Gebiete. Der Vortrag soll zeigen, dass dem nicht so ist. Wie es bei den meisten großen Wissenschaftlern und Philosophen der Fall ist, ist auch sein Denken von ganz wenigen Grundanschauungen geprägt, die den Zusammenhang seines vielfältigen Schaffens erklären. Es ging Leonardo darum, das antike, theorienlastige Denken durch einen Empirismus der Sinne zu überwinden und speziell das Sehen zum Hauptinstrument des wissenschaftlichen Erkennens zu machen. Um dies zu konkretisieren, verfeinerte und erweiterte er die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zeichnung und überlegte sich, wie er die verschiedenen Gebiete der Welt-Erfahrung sichtbar machen könne. Leonardos Kunst war somit aus einem wissenschaftlichen Anliegen heraus geboren. Dies wird an einzelnen Beispielen gezeigt werden.

Über den Vortragenden

Michael Sukale

Michael Sukale

Michael Sukale wurde 1940 in Berlin geboren. Er studierte Geschichte, Psychologie und Soziologie in Freiburg und Mannheim (dort 1966 Diplomsoziologe) und Logik und Philosophie in Stanford, USA (dort 1971 Ph.D.). Nach einer mehr als zehnjährigen Lehr- und Forschungstätigkeit in Princeton, Chicago, Washington, Jerusalem und Paris als Assistant Professor, Associate Professor und Senior Lecturer kehrte er 1980 nach Deutschland zurück, habilitierte sich in Mannheim 1984 für Philosophie und Wissenschaftslehre und lehrte als Lehrstuhlvertreter, Gastprofessor oder Lehrbeauftragter in Mannheim (1980/81 und 1989/91), Düsseldorf (1982/85), Konstanz (1985/87), Genf (1987), Bamberg (1990/1991) und Leipzig (1990/1991). Seit 1992 ist er Professor für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaften an der Universität Oldenburg.

Dadurch, dass Michael Sukale zeitgleich mit den damals führenden Köpfen der relativ jungen, modernen Logik und der Sprachphilosophie Professor in Stanford und Princeton war, kam er früh mit den neueren Einsichten und Methoden der Sprachphilosophie in Kontakt. Er hat diese dann benutzt, um ausgehend von dem Werk Leonardo da Vincis – er ist ein ausgewiesener Kenner Leonardos – eine Theorie der Perspektive zu entwickeln, die einerseits den engen  Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Kunst deutlich macht und andererseits die Entwicklung des Sehens darstellt.