Am 4.10.2017, 19:00 Uhr, spricht Thomas Wachtendorf auf Einladung des Werner-Bohrer-Kreises im Hubertushof in Lippstadt zum Thema Postmoderne – Narration – Postfaktizität: Politik, Wahrheit und die großen Erzählungen.

Der Westen ist in einer Krise. Der Westen? Oder vielmehr die Erzählung des Westens? Aristoteles hat in seiner „Politik“ in den Büchern IV ff den regelmäßigen Wechsel der Staatsformen beschrieben. Der wesentliche Grund für diese Wechsel ist in der Antike noch nicht bekannt: die Veränderung der jeweils zugrundeliegenden Erzählungen. Caesars „De bello gallico“, Macchiavellis „Il principe“ oder auch Hitlers „Mein Kampf“ – all dies sind Erzählungen, die für die jeweilige Richtigkeit der bestehenden oder geplanten Staatsformen werben sollen. Für die Richtigkeit werben – nicht: deren Wahrheit beweisen. In der gegenwärtigen Krise des Westens werden nun erstaunlicherweise die Rufe nach Wahrheit in der Politik laut (von Befürwortern wie auch Gegnern des status quo). Absurderweise geschieht dies ausgerechnet in der Zeit der Postmoderne, die sich im Grunde den Kampf gegen die Wahrheit auf die Fahnen geschrieben hat. Wahrheit wird deshalb den Westen nicht retten. Dies kann nur eine mächtige Erzählung. Eine Erzählung, die bekannt und nur (aus „Faulheit und Feigheit“, Kant) in Vergessenheit geraten ist: die Erzählung des Humanismus, an die wir uns dringend erinnern sollten.

 

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