Die ursprünglich für den 21.10.2017 geplante Veranstaltung „Schubert: Der Tod und das Mädchen“ muss leider aufgrund einer Erkrankung auf das nächste Jahr verschoben werden!

Was macht die so genannte „Ernste Musik“ eigentlich zur ernsten Musik? – das ist die Leitfrage dieses musik-philosophischen Abends. Vier Lehrer der Musikschule Soest – Ulrich Rikus, Bernd-Udo Winker, Matthias Raimond Hesse und Kalman Olah – werden Franz Schuberts Der Tod und das Mädchen in voller Länge spielen. Vorher wird Thomas Wachtendorf in Interaktion mit den Musikern die musikphilosophische Bedeutung des Stücks darzustellen versuchen.

Die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik ist ohne klares Unterscheidungskriterium vor allem eines: willkürlich. Diejenigen, die der U-Musik anhängen, machen sich über diese Trennung lustig, und diejenigen, die gern so genannte Bildungsbürger wären, erhoffen sich oft, solche zu werden, wenn sie sich nur an die E-Musik halten. Begreift man als Kriterium für E-Musik nur ein Kompositionsprinzip, ist der Weg zum Bildungsbürgerdasein kurz: in diesem Lichte kann nur klassische Musik wirklich ernst sein. Inwiefern ist sie das aber: „ernst“? Was genau ist das Ernste an ihr? Es kann wohl kaum ihr musikalischer Charakter sein, denn auch heitere Musik kann ernst sein. Ernst ist eine künstlerische Darbietung genau dann, wenn sie eine These um derer selbst willen vertritt, mithin wenn sie eine Aussage machen will. Unterhaltungsmusik verfolgt nicht dieses Ziel, sie will bloß unterhalten. Ernste Musik ist folglich mehr als nur ein Kompositionsprinzip, denn letzteres ist bloß eine Form und eine Form ohne Inhalt ist hohl. Ebenso kann es einen Inhalt ohne Form nicht geben. Ernst wird eine Musik also dann, wenn der inhaltliche Punkt, den sie macht, formal stimmig umgesetzt ist. Nelson Goodmans Überlegungen zur semantischen und syntaktischen Dichte helfen sehr weiter, diesen Punkt durch genauere Analyse zu verstehen. Vor diesem Hintergrund wird klar, worin das Meisterhafte in Franz Schuberts Streichquartet Nr. 14 in d-moll „Der Tod und das Mädchen“ aus dem Jahre 1824 besteht. Schubert hat das alte Thema des Wechselspiels von Leben und Tod musikalisch so ausgedrückt, dass man es wortlos versteht. Dies lässt sich nur damit erklären, dass es eine Art in uns tief verwurzelter kultureller Semiotik gibt, die es zu verstehen gilt. Es ist die ernste Musik, deren Punkt darin besteht, uns diese Semiotik nahezubringen und dadurch uns selbst zu verstehen.

 

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