Auf der diesjährigen Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin, die im September in Bielefeld stattfindet, wird Nele Röttger mit einem Vortrag beteiligt sein.

Die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) hat es sich zur Aufgabe gemacht, interdisziplinär und interprofessionell Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten, ein Forum für ethische Fragen, die im Zusammenhang mit ihrem Beruf entstehen, zu bieten. Einmal jährlich findet eine große Tagung statt. In diesem Jahr wird das vom 22.-24. September an der Universität Bielefeld sein. Nele Röttger ist nicht nur an der Organisation und Vorbereitung dieser Tagung beteiligt, sondern wird auch die Akademie für angewandte Philosophie mit einem Vortrag dort vertreten. Der Vortrag trägt den Titel: Krankheit, Würde und Selbstachtung und findet statt am 23.9. um 15:00 Uhr. Nele Röttger beschäftigt sich darin mit Fragen, ob auch nicht-menschliche Dinge die Würde des Menschen verletzen können:

Sätze wie: „So möchte ich nicht enden, das ist würdelos“ werden im Zusammenhang mit Krankheit, Folgen des Alterns oder dem Sterbeprozess immer wieder geäußert. Es scheint selbstverständlich zu sein, dass die Würde eines Menschen beispielsweise durch eine schwere Erkrankung verletzt werden kann. In der Philosophie ist es weit weniger selbstverständlich, dass ein solcher Zusammenhang zwischen Krankheit, Alter oder dem Sterben und der Würde besteht. Würdeverletzungen gelten bei vielen Philosophinnen und Philosophen dann als paradigmatisch, wenn schwere Formen der Demütigung vorliegen, die nur Menschen einander antun können, wie z.B. durch Folter. Der Frage, ob Demütigung die einzige Form von Würdeverletzung ist, oder ob nicht auch andere Dinge, z.B. Krankheiten, unsere Würde beschädigen können, werde ich in meiner Untersuchung nachgehen. Methodisch werde ich von der Frage ausgehen, was Würdeverletzungen kennzeichnet und dabei Avishai Margalit folgen, der eine gravierende Beschädigung oder sogar Zerstörung der Selbstachtung eines Menschen als Merkmal einer Würdeverletzung ansieht. Selbstachtung, so die These, ist notwendig, um Würde zu besitzen. Aber was kann unter Selbstachtung verstanden werden? Meiner These folgend, zweierlei: Selbstachtung heißt, sowohl auf sich Acht zu geben als auch vor sich selbst Achtung zu haben. Auf der Basis dieser Unterscheidung werde ich behaupten, dass Würdeverletzungen mit dem Verlust von Macht einhergehen, nämlich derjenigen, für sich selbst Sorge tragen zu können. Sie gehen außerdem damit einher, dass das Bild, das ein Mensch von sich selbst hat, massiven Veränderung unterworfen ist, die es schwer und manchmal unmöglich machen, die Achtung vor sich selbst aufrecht zu halten. Auch durch Krankheiten kann die Selbstachtung des Menschen auf beide Weise Schaden nehmen. Diesen Zusammenhang nachzuvollziehen, hilft uns, im Umgang miteinander die durch Krankheiten, Folgen des Alterns oder im Prozess des Sterbens gefährdete Würde zu schützen.

 

 

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