Im Rahmen der Kooperation Sinnreich spricht am 10. September 2014 um 19:00 Uhr in der Aula des Aldegrever-Gymnasiums Gerd Achenbach über das Thema „Lob der Begeisterung“.

Das Leben des Menschen gleicht dem Tun eines Seiltänzers: Mit jedem Schritt vorwärts, droht er, das Gleichgewicht zu verlieren und abzustürzen. Ständige Balance ist notwendig, um nicht in Not zu geraten. Wenn es zutrifft, dass Menschen als Lebewesen betrachtet werden dürfen, deren Dasein als ein dauernder Balanceakt verstanden werden kann, so wie Friedrich Nietzsche vermutete, dann stellt sich die Frage, wer oder was uns in die Lage versetzt, auf dem Seil zu bleiben.

Dr. Gerd B. Achenbach (geb. 1947) hat es sich als Philosoph zur Lebensaufgabe gemacht, Menschen auf ihrer Suche nach einer Balance ihres Lebens zu begleiten. Zu diesem Zweck gründete er 1981 in Bergisch Gladbach, nach der Promotion im Fach Philosophie bei Odo Marquard an der Universität  Gießen, die weltweit erste Philosophische Praxis. Schon bald stellte sich der „Erfolg“ ein: Menschen kamen, um mit Hilfe des Philosophen auszuloten, wo sich im Laufe ihres Lebens Blockaden ergeben haben könnten, die ihnen das Leben schwer und die Balance nahezu unmöglich machen. Und sie kamen und kommen immer wieder zu seinen Vorträgen und seinen Seminaren. Achenbach wurde im Laufe der Jahre zu einem der gefragtesten Gesprächspartnern von Privatpersonen ebenso wie von Wirtschaftsführern, Politikern, Journalisten, Ärzten oder auch Juristen. Warum? Offenbar haben sie erfahren, dass der philosophische Praktiker in der Lage ist, ihr Denken in Bewegung zu setzen, sie zum Philosophieren zu veranlassen. Dieses Philosophieren versteht Achenbach nach eigener Aussage auch als ein „Verstehen, das freilegt und nicht aufdeckt“, als ein „Wahrnehmen, das hinsieht ohne die Absicht, zu durchschauen“. Philosophisches Denken, so Achenbach, „weiß nicht Bescheid, manchmal aber weiter“, es „hakt ein, aber nicht ab“. Es kennt drei Feinde: „Die voreilige Überzeugung, die kalte Richtigkeit und die seelenlose Wahrheit. Seine Vernünftigkeit ist die des ‚denkenden Herzens‘(Hegel).“

Achenbachs Vortrag wird sich mit dem Thema Begeisterung beschäftigen. Einer Fähigkeit, die in einer auf Sicherheit bedachten Moderne verloren zu gehen droht. Ohne Begeisterung aber gibt es keinen Antrieb, der eine Sache wirklich voranbringen kann. Das Publikum darf gespannt sein, auf welche Weise Achenbach die Begeisterung loben wird. Eines ist aber sicher: Der Philosoph wird nicht mit eigener Begeisterung und eigenem Engagement sparen.

Am 24. November wird der Philosoph Wilhelm Schmid mit dem Thema „Gelassenheit“ die diesjährige Reihe beenden.

 

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