Nach einigen spannenden Tagen sind wir nun wieder zurück aus Bologna, wo wir an der Konferenz „Dignity, Respect, and Self-Respect. Ancient, Modern, and Contemporary Perspectives“ des Projekts Feeding Respect teilgenommen haben. Die international besetzte Konferenz brachte einige der in diesem Themenfeld führenden Philosophen zu einem lebhaften Austausch zusammen.

Von der Akademie war Thomas Wachtendorf mit einem Vortrag zum Thema „On Absolute Metaphors: The Dignity of Man“ an der Konferenz beteiligt. Darin geht es um die Anwendung einer Denkfigur des Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg auf die Frage nach dem epistemischen Status des Menschenwürdebegriffes. Der Vortrag, der sehr gut aufgenommen wurde, hat ein Problem deutlich gemacht, an dem die gegenwärtige Philosophie insgesamt leidet: obwohl Blumenberg seine Thesen bereits 1960 veröffentlicht hat, war fast allen anwesenden Philosophen, die nicht Deutsch sprechen, seine Position unbekannt. Im Jahr 1980, also 20 Jahre später, konnten gar die beiden Amerikaner George Lakoff und Mark Johnson ihr Buch Metaphors we live by zu dem im Grunde selben Thema veröffentlichen – und es wurde im amerikanischen Sprachraum und von dort dann auch in der deutschen analytischen Philosophie bekannt. Die Unbekanntheit von Blumenbergs These liegt also nicht an deren Irrelevanz, sondern vielmehr darin, dass dasjenige gelesen wird, was auf Englisch veröffentlicht wird. Das führt zu den bizarren Folgen, dass eben auch deutsche Philosophen oftmals erst dann deutsche Philosophen lesen, wenn diese, nachdem sie ins Englische übersetzt wurden, im angelsächsischen Sprachraum diskutiert werden.
Diese Mode, die offenbar der Annahme verhaftet ist, das alles, was aus dem Angelsächsischen kommt, bessere Philosophie ist, ist nicht nur höchst merkwürdig, sondern führt dann bisweilen zu grotesken Situationen, wenn derart orientierte deutsche Kollegen die vermeintlich neuesten Thesen diskutieren, die jedoch in Deutschland bereits vor Jahrzehnten veröffentlicht wurden.
Wachtendorfs Konferenzbeitrag, der auf sein Buch „Die Würde des Menschen“ von 2004 zurückgeht, hat jedenfalls dazu beigetragen, den Blumenberg’schen Begriff der absoluten Metapher für die Menschenwürdediskussion ins Spiel zu bringen beziehungsweise wieder in Erinnerung zu rufen.
Wir sind gespannt, wie sich die Diskussion zukünftig entwickeln wird.
Eines jedoch wurde auf der Konferenz offenbar: die „Kinderkrankheiten“ dieser Diskussion, nämlich beispielsweise den Begriff der Menschenwürde rigoros zu bestimmen, so dass notwendig einige Menschen nicht darunter fallen, woraufhin dann gleich ganz gegen den Begriff zu Felde gezogen wird, scheinen vorbei. Die Debatte geht nun eher darum, welche Eigenschaften für die Würde hinreichend sind und welche Rolle der Begriff in unserer Lebenswelt (Siehe beispielsweise: Peter Bieri: Eine Art zu leben) spielt. Eine Position, für die Thomas Wachtendorf schon vor zehn Jahren eingetreten ist.
Außerdem werden verstärkt die Verbindungen des Menschenwürdebegriffs zu den Begriffen des Respekts und des Selbstrespekts erörtert. Von dort lässt sich freilich die Diskussion der Gerechtigkeit anschließen. Denn eine Gesellschaft, die in fundamentaler Weise nicht gerecht, sondern unanständig (siehe: Avishai Margalit: Politik der Würde) ist (und das trifft auf die meisten der modernen Gesellschaften zu), missachtet die Würde ihrer Mitglieder (Siehe: Thomas Wachtendorf: Drinnen und draußen).
Dem Begriff der Menschenwürde kommt daher insbesondere jetzt, da wir unsere politischen Systeme ethisch als weit entwickelt erachten, wieder eine zentrale Bedeutung zu, um dieser groben Fehleinschätzung ein Korrektiv entgegen zu setzen.

Ein paar Eindrücke von der Konferenz:

Thomas Wachtendorf beim Vortrag

Thomas Wachtendorf beim Vortrag

Konferenzmappe

Konferenzmappe

Der Innenhof der Universität

Der Innenhof der Universität

 

 

 

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