Anmerkungen zum Verhältnis von Krähen und Menschen

Am Mittwoch, den 7.5., um 19:00 wird Cord Riechelmann als erster Referent im Rahmen der Reihe Sinnreich einen Vortrag in der Aule des Aldegrever-Gymnasiums halten. Er wird über das Verhältnis von Krähen und Menschen sprechen und dabei das Augenmerk auf die gegenwärtige Erregungskultur legen, der es weniger um das konkrete Thema als vielmehr um die Aufregung selbst, den so genannte Hype, geht. Cord Riechelmann ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Biologe, Philosoph und Autor des Buches: „Krähen. Ein Porträt“.

Zum Vortrag:

Wahrscheinlich war die erste Metapher ein Tier, die erste Farbe Tierblut und zeigten die ersten von Menschen gemachten Bilder Tiere. Daraus folgt nicht viel weniger, als das die allein dem Menschen zugeschriebenen Fähigkeiten der Sprache, des symbolischen Denkens und der Produktion von Kunst, „aus der Beziehung zu Tieren geboren wurden“, wie John Berger schreibt. Diese Anfänge lagen natürlich vor den revolutionären Umwälzungen die Ackerbau, Viehzucht und die moderne rationale Wissenschaft am Verhältnis von Mensch und Tier vornahmen. Trotzdem können die Beziehungen zwischen Menschen und z. B. Saatkrähen nach wie vor im Spiegel des Zustands der menschlichen Gesellschaft gelesen werden. Wie Claude Levy-Strauss einmal sgate: Solange sie Schafe in Pferche zwängen, werden sie es auch mit Menschen tun. Am Beispiel der Geschichte der Saatkrähenpopulationen im heutigen Polen soll die Wechselwirkung zwischen Krähen und Menschen einerseits detailliert und anderseits immer wieder ins Allgemeine ausgreifend erörtert werden.

Verstädterung von vormals nur auf dem Land lebenden Pflanzen und Tieren ist ein weltweit zu beobachtender Trend. Polen kommt in dieser Entwicklung eine doppelte Vorreiterrolle zu. Zum einen begannen auffällige Vögel wie die Saatkrähen und die ebenfalls schwarzen Amseln in Warschau bereits in großer Zahl zu nisten, als in anderen Städten Europas nur vereinzelte Exemplare auftauchten. Zum anderen wurden die Vögel von polnischen Ornithologen von Beginn an sorgfältig beobachtet. Wie überhaupt die Besiedlung Warschaus von Pflanzen, Insekten, Mäusen und Vögeln so gut dokumentiert ist, dass man die Arbeiten dazu als Gründungsurkunden der Stadtökologie lesen kann.

Der Widerspruch zwischen Stadt und Land hat in Polen frühzeitig unter Wissenschaftlern und Hobbytierfreunden ein Bewusstsein für die unter Nützlichkeitskalkülen nicht zu fassenden Ansprüche von Lebewesen gezeitigt.

 

Riechelmann

Cord Riechelmann

 

 

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